7. BIOS
Obwohl seine Existenz vielen Anwendern verborgen oder gar schleierhaft
ist, gibt es das BIOS, das "Basic Input Output System", die eigentliche
Schnittstelle zwischen Hardware und Software. Es liegt üblicherweise
in ein oder zwei BIOS-Bausteinen (EPROMs oder EEPROMs; Electrically
Erasable Programmable Read-Only Memory), welche sich auf dem Mainboard
befinden. Um alle Details der verschiedenen BIOS-Arten oder deren
Einstellmöglichkeiten aufzuzählen, bedarf es einer eigenen FAQ -
die es glücklicherweise schon gibt. Deshalb gibt es hier nur ein Paar
einführende Worte zum Thema BIOS, im Kapitel 7.4 sind zusätzlich
einige Links genannt, die bei speziellen Fragen bestimmt weiterhelfen.
7.1 Grundlegendes zum BIOS
Was ist nun die Aufgabe des "Basic Input Output System"? Das lässt
sich nicht mit einem Satz beantworten, so vielfältig sind die
Aufgaben. Wie bereits erwähnt ist das BIOS die eigentliche
Schnittstelle zwischen Hardware und Software. Das Betriebssystem greift
beim Start also nicht direkt auf die Hardware zu, sondern sendet die
Anfrage an das BIOS, welche sie abarbeitet.
Wie startet nun dieses BIOS? Bei jedem Bootvorgang wird als erstes
das BIOS initialisiert. Das bedeutet, dass der Selbsttest (POST, Power On
Self Test) durchgeführt wird und dann die BIOS-Routinen abgearbeitet
werden. Hierzu gehört z.B. das Verteilen der Interrupts, Prüfen
des RAMs etc. Außerdem werden alle Funktionen des Chipsatzes so
bereitgestellt, wie sie im BIOS-Setup konfiguriert wurden. Sind alle
Routinen erfolgreich abgearbeitet, wird versucht ein Betriebssystem zu
laden.
7.2 Dual-Bios
Dual-Bios ist ein Feature, dass von der Firma Gigabyte entwickelt wurde
und erstmals 1999 im GA-BX2000 zum Einsatz kam, und seitdem
standardmässig installiert ist. Ziel dieser Technologie ist es, das
Bios vor Löschung oder Zerstörung zu schützen. Dies wird
erreicht, indem 2 Bios-Bausteine auf dem Mainboard verbaut werden. Der
erste Baustein wird "Primary Bios" genannt, der zweite "Secondary Bios"
oder auch "Hot Spare". Fällte das primary Bios aus, egal aus welchem
Grund (missglücktes Flashen, Virus, physikalischer Defekt etc.),
kann das System ohne Zeitverzögerung vom zweiten Bios-Baustein
gestartet werden.
7.3 Flashen
In das BIOS werden bei Auslieferung des Mainboards schon viele Daten
vorprogrammiert. Trotzdem kann es vorkommen, dass neue Hardware auf den
Markt kommt, die das BIOS noch nicht kennt; häufig sind das z.B.
CPUs. Damit das BIOS trotzdem mit den abgefragten und erhaltenen Daten
etwas anfangen kann, muss von Zeit zu Zeit ein Update des BIOS vorgenommen
werden. Wer jedoch an seinem System nichts ändert und keine Probleme
hat, brauch i.d.R. auch kein neues BIOS - getreu dem Motto "never change
a running system!". Der Update-Vorgang wird "flashen" (engl. "blitzen")
genannt, weil durch elektrische Pulse das BIOS zunächst gelöscht
und dann neu programmiert wird.
Sollte also ein BIOS-Update nötig sein, stellt sich die Frage, wie
dies durchgeführt werden kann. Zu Beginn sollte man wissen, was man
überhaupt für ein BIOS hat. Dies ist feststellbar durch Aus-
oder Ablesen der BIOS-ID-Nummer, welche am BIOS Startbild unten links
steht.
Weitere Hinweise zum BIOS gibt es mit Sicherheit in der Dokumentation
des Mainboards. Hat man nun herausgefunden, was man für ein BIOS
hat, und von wann dies ist, kann man sich auf der Suche nach der Webseite
des Mainboardherstellers machen. Eine Liste der Webadressen gibt es
in Kapitel 13.2. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, ein von Dritten
modifiziertes BIOS (z.B. von
http://www.biosmods.com)
zu verwenden, um sonst nicht zugängliche Optionen (wie das Abschalten
von ACPI etc.) zu erhalten. Natürlich ist die Gefahr hier sehr gross,
ein "defektes" BIOS zu flaschen und seinen Rechner damit in einen
unbrauchbaren Zustand zu versetzen.
Auf der Website des Board-Herstellers sollte man sich dann nicht nur
das neueste BIOS besorgen, sondern auch ein passendes Flash-Programm,
welches die Programmierung erst möglich macht. Dieses Flash-Programm
bietet dann auch die Möglichkeit der Sicherung des alten BIOS.
Zusätzlich sollten sich unerfahrene User die Einstellungen im BIOS
notieren, um diese später wieder vornehmen zu können. Nichts
ist ärgerlicher als eine verloren gegangene BIOS-Optimierung.
Außerdem kann es sein, dass im BIOS oder auf dem Board ein
Programmier-Schutz eingeschaltet ist; dieser muss natürlich
deaktiviert sein. Genauso übrigens wie die Cache-Einstellungen
für die CPU.
Hat man nun alle Sachen beisammen, sollte man sich eine bootfähige
Diskette erstellen, um in eine "saubere" DOS-Umgebung gelangen zu
können. Das Flashen sollte nicht von Windows oder von der DOS-Box
aus durchgeführt werden. Wer keine Boot-Diskette parat hat, sollte
sich mal unter
http://www.bootdisk.com
umschauen. Außerdem darf der Flashvorgang unter gar keinen
Umständen unterbrochen werden!
Auf die erstellte Boot-Diskette wird nun noch das Flash-Programm und das
(ausgepackte!) BIOS-File kopiert - fertig. Nun kann man von der
Diskette booten und dann gemäß der Anleitung(!) des
Flash-Programms die Sicherung des alten BIOS und die Neuprogrammierung
durchführen. Nach erfolgreichem Flashen muss das System mit Reset
neu gestartet werden. Dann geht man erneut in das BIOS und nimmt alle
nötigen Einstellungen vor; außerdem sollte der Schreibschutz
wiederhergestellt werden.
Leider kann beim Flashen auch mal etwas schief gehen, z.B. durch das
verwenden der falschen BIOS-Datei, oder durch Stromausfall etc. Solange
das System noch ansprechbar ist (also noch ein DOS-Prompt vorhanden ist),
kann man den Flash-Vorgang einfach wiederholen oder das alte
(hoffentlich gesicherte!) BIOS aufspielen. Wurde allerdings während
des Flash-Vorgangs abgebrochen, wird das System normalerweise in einem
nicht boot-fähigen Zustand zurückgelassen. Hier gibt es eine
Notfallprozedur, die man ausprobieren sollte: Die meisten BIOS-Chips
verfügen über einen Notbereich, der beim Flashen nicht
überschrieben wird. So können zumindest noch ISA-Grafikkarten
initialisiert werden. Also, wenn sich beim Einschalten des Rechners noch
etwas tut, hat man zwei Chancen: testweise kann eine ISA-Graffikarte
eingebaut werden, um damit zu flashen. Oder man baut sich an einem anderen
Rechner eine Flash-Diskette und flasht das BIOS blind (evtl. vorher die
Tastenkombinationen notieren. Eine weitere Notlösung sieht das
AMI-BIOS vor. Wenn das Flashen nicht geklappt hat und der Rechner
abwechselnd einmal piepst und auf das Disketten-Laufwerk zugreift, ist
noch nicht alles verloren: man nehme eine formatierte Diskette und
kopiere ein passendes BIOS-File. Dieses benennt man dann in
AMIBOOT.ROM um. Diese Diskette legt man ein, und startet dann den Rechner.
Die Diskette wird gelesen, danach sollte der Rechner 4x piepen und
anschliessend automatisch neu booten; dieses Vorgehen dauert etwa 20s,
wärenddessen bleibt der Bildschirm schwarz. Nach dem neuen Booten
sollte das System wieder ansprechbar sein, und man kann im BIOS die
Defaults laden und anschliessend seine Einstellungen vornehmen.
Tut sich jedoch am Rechner gar nichts mehr, hilft hier nur noch
das Aufspielen eines neuen BIOS mit einem EEPROM-Brenner oder ein komplett
neuer BIOS-Chip. Teilweise übernehmen die Mainboardhersteller diese
Aufgaben; falls nicht, gibt es auch einige eigenständige Firmen, die
diese Arbeit gerne gegen eine kleine Gebühr übernehmen, wie z.B.
die Firma "Segor" (
http://www.segor.de) in
Berlin. Mit einer Suchmaschine finden sich evtl. auch Firmen in
örtlicher Nähe, und man kann sich Porto und Warterei sparen.
7.4 Links zum Thema BIOS
Allgemeine BIOS-Seiten:
Wie finde ich heraus, was für ein Board ich habe?
Was für ein BIOS brauche ich dafür?
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